Hat Roger Federer „Glück und Erfolg“ gelesen?

Im Januar 2017, als ich die Veröffentlichung dieses Buches vorbereitete, geschah ein außergewöhnliches Ereignis.

Roger Federer hat an diesem Tag etwas vollbracht, das einige Experten als das herausragendste Ereignis der Sportgeschichte bezeichnet haben. Kein Trainer, Coach, Arzt, Journalist, ehemaliger Champion oder Sportwetter hätte auch nur einen Dollar auf den Sieg Federers bei den Australian Open 2017 gesetzt.
Er hat etwas geleistet, das an ein Wunder grenzt, indem er sich in diesem Turnier durchsetzte, mit fast 36 Jahren und nach sechs Monaten Verletzungspause. Die Optimistischsten sagten ihm eine Rückkehr unter den Top 10 voraus und fast niemand erwartete, ihn jemals wieder ein Grand-Slam-Turnier gewinnen zu sehen. Und doch hat „Rodgeur“ es geschafft. Was er geleistet hat, ist einfach wahnsinnig, denn man darf nicht vergessen, dass er sich gegen die besten Tennisspieler der Welt durchsetzen musste, die großenteils weitaus jünger als er waren. Profis, die weit über die Schmerzgrenze hinaus trainieren und alles geben würden, um – und sei es auch nur ein einziges Mal – ein Turnier dieser Größenordnung zu gewinnen. Aber Roger Federer ist ein Genie, ein Künstler und ein Virtuose, der alles, was er berührt, in Gold verwandelt.

Was bei dieser unvergesslichen Leistung besonders interessant ist, und dies macht mich sehr glücklich, ist, dass Federer von Natur aus die Werkzeuge zu verwenden scheint, die ich in „Glück und Erfolg“ vorstelle und die ich im Verlaufe von 40 Jahren gefunden und ausgefeilt habe. Ich erlaube mir im Folgenden, die Titel der Kapitel meines Buches hervorzuheben und sie, natürlich in aller Bescheidenheit, mit der außergewöhnlichen Vorgehensweise meines berühmten Landsmanns in Beziehung zu setzen.

Die volle Kraft seines Gehirns erlaubt es Federer, sein Spiel unendlich variantenreich zu machen. Seine große Stärke ist es, seinen Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem er sein Spiel ständig verändert, um ihn schließlich mit einem manchmal verblüffenden letzten Schlag zu bezwingen.

Die Klarheit der Ideen und die Hinterfragung erlauben es ihm, sich zu analysieren und sich immer wieder neu in Frage zu stellen, um sein Spiel noch weiter zu verbessern. Er hat seine Konvaleszenz genutzt, um an seiner Rückhand zu arbeiten, die doch schon als die beste des Turniers bekannt war. Seine Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, ist phänomenal. Wenn etwas nicht perfekt funktioniert, ist er innovativ und erfindet eine neue Waffe. Sie wird er einsetzen, ohne aber die alten, manchmal sehr alten, zu vergessen, die er gerade im richtigen Augenblick hervorholt, um seinen Gegner entscheidend zu treffen.

Selbst wenn er in der Wertung zurückliegt, erlauben ihm sein Selbstvertrauen und seine mentale Einstellung anders als bei anderen großen Spielern, niemals die Siegeszuversicht zu verlieren. Natürlich macht Roger Federer Augenblicke des Zweifelns durch, wenn nicht alles so läuft, wie er es möchte, aber ich denke, es ist sein sein Glaube, der stärker als der seiner Gegner ist und der ihm zum Sieg verhilft. In Denke nach und werde reich, macht Napoleon Hill aus dem An-sich-Glauben das wesentliche Element des Erfolgs. „Wenn Sie absolut sicher sind, Erfolg zu haben, dann haben Sie Erfolg“.

Das Loslassen, das Akzeptieren, die Relativierung und die geistige Beweglichkeit gestatten Roger, das, was nicht funktioniert hat, hinter sich zu lassen und sich sofort wieder in den Geisteszustand zu versetzen, der zum Erfolg führt.

In meinem Buch betone ich die immensen Vorzüge, die sich daraus ergeben, den jetzigen Augenblick zu leben. Im jetzigen Augenblick zu sein, ist von vitaler Bedeutung, um ein Tennismatch zu gewinnen. Mental darf man sich weder in das Vergangene zurückziehen und noch einmal seine schlechten Bälle sehen, noch darf man sich schon das Match verlieren oder sogar gewinnen sehen. Wie viele Spiele wurden schon von Spielern verloren, die gerade als sie zu dem Matchball aufschlugen, der ihnen den Sieg hätte bringen sollen, ihre Fassung verloren?
Der jetzige Augenblick muss auch auf physiologischer Ebene gelebt werden, um bei der Annahme des Balls auf die Zehntelsekunde genau präsent zu sein, oder um ihn mit einer solchen Präsenz zu schlagen, als könne der Spieler für den perfekten Schlag die Zeit verlangsamen.
Man kann die Analyse der Vorzüge des jetzigen Augenblicks für das Tennisspiel noch weiter ausführen. Wissen Sie, dass ein berühmter Tennistrainer die Vermutung geäußert hat, das Smartphone sei die Antwort auf die bisher unbeantwortete Frage, warum es den jüngeren Tennisspielern so schwerfällt, die älteren zu schlagen? Beim täglichen Training denken diejenigen, die mit einem Smartphone in der Hand aufgewachsen sind, schon an ihre sozialen Netzwerke und daran, was sie posten können. Zum einen befinden sie sich damit nicht mehr im jetzigen Zeitpunkt, was den Nutzen ihres Trainings verringert. Aber vor allem trainieren sie nicht, im jetzigen Zeitpunkt zu leben und so werden sie bei mehrstündigen Spielen unfähig sein, sich zu konzentrieren und im reinen Augenblick zu leben. So überlassen sie Federer und seinen „alten“ Freunden den Sieg.

Wenn Sie Roger Federer spielen sehen, können die Freude und das Glück, die er verspürt, nicht unbemerkt bleiben und die Liebe und die Achtung, die er seiner Umgebung wie seinen Gegnern entgegenbringt. „Rodgeur“ ist nicht nur ein großer Champion, er ist auch ein außergewöhnlicher Mensch. Manche Sportler werden, kaum dass sie die ersten Erfolge errungen haben und welches auch immer ihre wirkliche Bekanntheit ist, arrogant und eingebildet. Er niemals. Er wird überall wegen seiner Menschlichkeit geschätzt und geliebt. In jedem Interview entdeckt man eine große Bescheidenheit und viel Liebe und Anerkennung. Nie verpasst er eine Gelegenheit, dem Publikum und seinem Team zu danken und regelmäßig spricht er davon, wie sehr es ihn mit Freude erfüllt, die Menschen mit seinem Spiel glücklich zu machen.

Natürlich schreitet Federer ständig zur Tat, um seine kleinen Schwachpunkte, die er noch hat, zu korrigieren, und sich Trainingseinheiten zu unterziehen, von denen der Durchschnittsbürger allenfalls einen blassen Schimmer haben kann.
„Roger arbeitet weiter und verbessert sich fast jeden Tag, das ist beinahe beängstigend“, sagt Mario Ancic. „Eine Begabung zu haben, bringt dich zu nichts. Man muss daran arbeiten, immer und immer wieder, und Liebe zu dem empfinden, was man tut, um weit zu kommen“. Roger Federer

Amerikanische Psychologen haben das, was Virtuosen und Sportler auf dem Gipfel ihrer Kunst gleichermaßen erfüllt, untersucht. Diese Art von Trance haben sie mit dem Ausdruck „in den Flow-Zustand kommen“ bezeichnet.
Roger Federer lebt in einer Welt, in der alles etwas anders ist als in der, in der wir leben. Dank seines Talents und seiner Fähigkeit, die herrlichen Werkzeuge nutzen zu können, die uns von Geburt an mitgegeben wurden, lebt er in der „Flow-Zone“, dort wo alles leicht, schön und strahlend wird.

„Ich glaube, niemand auf der Welt hat mehr Spaß als ich, wenn ich auf einem Tennisplatz bin“. Roger Federer

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